Lebendig

Lebendig

Wie wir Vertrauen und Kraft schöpfen können.

Sich im Kopf nur auf eine Sache zu konzentrieren, ist nicht heilsam. Sei es Corona, eine religiöse Grundidee oder ein Projekt, das im Beruf ansteht. 

Hier einige Gedanken, wie wir Vertrauen und neue Kraft schöpfen können, um heilsame Wege zu gehen.

Zunächst: Ein ängstliches Starren darauf, was sein wird oder nicht sein wird, verhindert das Leben in der Gegenwart. Tatsächlich verhält es sich manchmal so: Weil wir zu ängstlich in die Zukunft blicken, tritt das erwartete Übel verstärkt ein. Die Psychologie nennt dieses Phänomen „selbsterfüllende Prophezeiung“.

Irenäus von Lyon, ein Christ aus dem zweiten Jahrhundert schrieb pointiert: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“. Der lebendige Mensch!

Nehmen wir uns zum Beispiel die Natur zum Vorbild. Noch stehen die Bäume im satten Grün, doch der Dauerregen, der niederfällt, während ich diese Zeilen schreibe, kündigt schon eine andere Zeit an. Ist der Baum nun verloren, geht der Wald dem Tod entgegen?

Mit Veränderungen im menschlichen Leben ist es ähnlich: Ein wesentlicher Teil der Lebendigkeit ist gerade nicht an der Oberfläche verankert. Vertrauen, Liebe und tatsächliches Glück haben eines gemeinsam: Sie wurzeln in der Tiefe. Wer mag ihnen da so leicht etwas anhaben?

Für mich persönlich ist social distancing das dümmlichste Wort der letzten Monate. Es gibt viele gute Gründe, es schnell wieder aus unserem Wortschatz zu streichen. Körperlich Abstand halten: Ja. Aber sozial zu anderen Menschen auf Distanz gehen? Sicher nicht! Nicht bei uns und nicht in Griechenland.

Gute zwischenmenschliche Begegnungen helfen, wieder Vertrauen zu schöpfen; gemeinsames Lachen ist der Garant für Distanzierung von Problemen; die Erfahrung, nicht alleine zu sein, ist Quelle lebendiger Kraft.

Darüber hinaus gibt es da noch einen weiteren Weg des Lebensglücks: Die größeren Zusammenhänge sehen, die weitere Zukunft zu erspüren, die tiefer liegende Quelle des Lebens in den eigenen Welt- und Lebensentwurf aufnehmen. Denn der heilsame Weg führt immer aus den eigenen vier Wänden (des Denkens und Handelns) hinaus. Auch hier kann der Gang in die Schöpfung Gottes, das bewusste Erleben von „Leben in der Veränderung“ heilsame Erfahrungen der Weite und der Vielfalt bereithalten.

Religiöse und spirituell orientierte Menschen sind glücklicher und optimistischer. Dieses eindeutige Ergebnis sozialwissenschaftlicher Studien verwundert mich überhaupt nicht. Für zahlreiche Menschen unserer Heilandskirche ist das reale, gelebte Erfahrung.  

Vielleicht deshalb, weil wir die Großwetterlagen so nehmen, wie sie sind und uns nicht beirren lassen, Gutes zu tun; weil wir Probleme, Sorgen und Ängste wahrnehmen und darin nicht erstarren; weil wir über den Herbst und Winter hinaus leben, denken und handeln und auf oberflächliche fromme Sprüche verzichten; weil wir positive Menschlichkeit leben und das Leben nicht auf Dogmen reduzieren.

Tatsächliches Glück, Liebe und Vertrauen, fasst Jesus Christus in einer einfachen Lebensregel zusammen. Diese ist vielfach gehört worden und wird noch zu wenig gelebt. „Liebe Gott und liebe deine Nächsten wie dich selbst“. Ein guter Weg in die Lebendigkeit!

Ihr Pfarrer Hannes Dämon